Lesung: "Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend"

mit Laura Wiesböck (IHS)

Do, 18.12.2025 | 10:00-12:15 Uhr | Hörsaal 5, Hauptgebäude Uni Wien

Laura Wiesböck ist Soziologin und leitet die Junior Research Group "Digitalisierung und soziale Transformation" am Institut für Höhere Studien. Sie promovierte an der Universität Wien mit Forschungs- und Lehraufenthalten u.a. an der University of Oxford, National Taiwan University und University of Ghana. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf sozialer Ungleichheit mit Fokus auf Arbeit, Geschlecht und Digitalisierung. Zusätzlich kommuniziert sie gesellschaftskritische Perspektiven in Medien (z.B. Associated Press, Libération), hält öffentliche Fachvorträge (z.B. österreichisches Parlament, re:publica) und engagiert sich für ein gewaltfreies und ökonomisch unabhängiges Leben von Frauen*. Für Ihre Arbeit wurde die Soziologin vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Förderungspreis der Stadt Wien. 2025 veröffentlichte sie das Sachbuch „Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend“ bei Zsolnay. Die Publikation hat große Resonanz erhalten (u.a. FAZ, Spiegel, SRF Sternstunde Philosophie), erreichte im März 2025 Platz 1 der DIE ZEIT-Sachbuch-Bestenliste und wurde für den Tractatus-Preis nominiert.

Die Lesung gibt einen Einblick in die ambivalenten Auswirkungen der Verbreitung einer „psychotherapeutischen Kultur“ über digitale Kanäle. Die Autorin stellt die Frage, warum hinderliche Gefühlslagen und Handlungsweisen gegenwärtig primär in pathologisierter Form anerkannt und ausgelebt werden und welche gesellschaftlichen Umstände sowie Akteur*innen dazu beitragen, dass Fragen nach emotionaler Ausgeglichenheit und Funktionalität zunehmend als Fragen von Gesundheit oder Krankheit verhandelt werden. Hervorgehoben wird insbesondere die Verbreitung US-amerikanischer Gesundheitsdiskurse zu „Mental Health“, die neoliberale Vorstellungen von radikaler Individualisierung, Wettbewerbsorientierung und Konsumzentrierung verstärken. Insgesamt zeigt Laura Wiesböck, dass digitale Plattformen zwar Räume für Aufklärung und Selbsthilfe bieten, die profitgetriebene Architektur sozialer Medien zugleich aber auch Strukturen hervorbringt, die psychische Belastungen intensivieren – etwa durch die algorithmische Verstärkung psychischer Verwundbarkeit, „Addictive Design“ oder die Ökonomisierung von Gesundheitsnarrativen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Ort: Hörsaal 5, Hauptgebäude, Stiege 9 Hof 5, Uni Wien

Eine Veranstaltung im Rahmen des Bachelor Kurs Kommunikative KI und Künstliche Begleitung (Michaela Pfadenhauer) sowie des Master Kurs Analyse digitaler Dispositive (Thomas Slunecko & Moritz Meister).

Einladungsposter (PDF)