Logo der Universität Wien

Univ.-Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer

Adresse:A-1090 Wien, Rooseveltplatz 2
Zimmer:R 203
Telefon:+43 (1) 4277- 49260
Mobiltelefon:+43 (664) 60277-49260
Fax:+43 (1) 4277- 849260
E-Mail:michaela.pfadenhauer@univie.ac.at
Sprechstunde:nach Vereinbarung
um Anmeldung per E-Mail wird gebeten

2017-2019 Alfred Schütz und die Wiener Kreise

Alfred Schütz und die Wiener Kreise: Zur kommunikativen Vereinbarung des Unvereinbaren

Das Forschungsprojekt setzt an der besonderen soziohistorischen Situation an, die Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte: Die lokale Dichte an Wissenschaftlern hatte nach dem Zusammenbruch der Habsburg-Monarchie stark zugenommen, es hatte sich eine zunehmend angespannte politische Situation zwischen konservativen und liberalen Lagern eingestellt und an der Universität Wien hatte sich eine gezielte Marginalisierung jüdischer Intellektuelle ebenso wie Frauen eingestellt. Diskussionszirkel außerhalb der Universität, unter denen der „Wiener Kreis“ weltweite Berühmtheit erlangte, gewannen erheblich an Bedeutung. Gelehrtenassoziationen wie diese zeichneten sich durch einen soziohistorisch einmaligen Denkstil aus: Im intensiven Dialog wurden widersprüchliche und innerakademisch mithin ungeläufige (oder verdrängte) Begriffe, Methoden und Theorien miteinander ins Benehmen gesetzt.

Im Projekt soll dieser speziellen Form des Austauschs und dem kulturellen Ermöglichungsmoment der Zirkel für einen Werkentwurf wie jenem von Alfred Schütz erstmals systematisch nachgegangen werden. Alfred Schütz erscheint dabei als exemplarischer Vertreter eines Kreis-Gängers, der zeitgleich im „Mises-Privatseminar“, dem „Geist-Kreis“ und dem „Kelsen-Privatseminar“ partizipierte. Sein noch in Wien veröffentlichtes Werk „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“ (1932) legt Zeugnis vom speziellen Denkstil der Kreise ab: Bis dato als unvereinbar geltende philosophische und sozialwissenschaftliche Positionen werden in Schützens Theorieentwurf nicht nur aufeinander bezogen, sondern auch vermittelt.

Am Beispiel der drei von Schütz frequentierten Kreise behandelt das Projekt die Frage, wie in einer gezielt herbeigeführten Situation fachlicher und theoretischer Heterogenität widersprüchliche Wissenschaftspositionen bearbeitet wurden. Mit der konzeptionellen Auffassung der Zirkel als Kommunikative Wissenskulturen zielt die Forschung auf die hier vorfindliche(n) spezifische(n) Kultur(en) der Wissensproduktion ab. Zur Bearbeitung der Fragestellungen werden sowohl Selbstzeugnisse der Kreis-GängerInnen und BeobachterInnen dieser als auch Archivmaterial, welches Hinweise zu den Zirkeln liefert, herangezogen.

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer, Univ.-Ass. Dr. Tilo Grenz
ProjektmitarbeiterInnen: Dr. Christopher Schlembach, Niklaus Reichle, M.A., Raphaela Casata, B.A.
Laufzeit: 2017-2019
Förderung: Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung

2015-2017 Mediatisierung als Geschäftsmodell III

Mediatisierung als Geschäftsmodell III: Gegenentwürfe und Wendepunkte im Mediatisierungsprozess

Ausgangspunkt für die Forschung, die in der dritten und letzten Phase des von der DFG geförderten Schwerpunktprogramms 1505 „Mediatisierte Welten“ erfolgt, sind empirische Hinweise darauf, dass der medientechnologische Fortschritt und das normalisierte Medienhandeln in mediatisierten Welten (nicht-intendierte) Nebenfolgen zeitigt. Diese Nebenfolgen werden unter verschiedenen Begriffen und Aspekten diskutiert und werden zum Gegenstand alltäglichen Handelns wie unternehmerischer Strategien. Unser Ausgangspunkt ist also die Feststellung, dass Mediatisierung in ihren wahrnehmbaren Konsequenzen bzw. Begleiterscheinungen dergestalt von einem latenten Hintergrundprozess zu einem manifesten Problem (gemacht) wird. Auch in diesem Projekt wollen wir an unserem Fokus auf Anbieter, d. h. an Kommerzialisierung als Kontext von Mediatisierung festhalten. Auf Nebenfolgen reagieren Anbieter einerseits, indem sie öffentlich thematisierte Folgen, d. h. Ambivalenzen und Risiken des verbreiteten Medienhandelns und evozierter Formen des Rückzugs, der Privatisierung oder der Anonymisierung in der kommerziellen Gestaltung und Verbreitung von Medientechnologien aufgreifen. Andererseits sind kommerzielle Akteure mit ökonomisch riskanten Nebenfolgen ihrer eigenen, früheren Mediatisierungsmaßnahmen konfrontiert und reagieren, indem sie versuchen, Nutzeraktivitäten in den von ihnen bereitgestellten Medienumgebungen zu de-quantifizieren, zu ent-schleunigen, zu de-optionalisieren etc. Weil diese drastischen Modifikationen der technischen Funktionsgrundlagen und der Benutzeroberflächen digitaler Medien das medienbezogene Handeln aller Nutzer betreffen, ist mit ihnen zumindest impliziert, dass sich die Kernaktivitäten in mediatisierten Welten nachhaltig verändern. Handlungsentwürfe und Maßnahmen, die gezielt gegen verschiedene Mediatisierungstendenzen gerichtet sind, beschreiben und analysieren wir im Projekt unter dem Titel De-Mediatisierung.
Wie in der ersten und zweiten Phase des Teilprojektes werden kommerziell bereitgestellte und betriebene Medienumgebungen heuristisch als Gegenstand spannungsreicher Wechselwirkungen zwischen Konzeption, Angebot, Verbreitung, Aneignung und Anpassung und damit als Aushandlungsfläche des sozio-technischen Wandels von Kultur verstanden. Gegenstand in der dritten Phase sind nun gezielt solche Fälle und Forschungsfelder, die von Anbietern als mögliche Lösung für die permanente Nebenfolgenanfälligkeit digitaler Angebote bzw. als Antwort auf Problematisierungen von und Kritiken an Mediatisierungstendenzen, wie sie sich in Alltagspraktiken der Mediennutzung und -beurteilung und in öffentlichen Diskursen niederschlagen, verstanden werden.
Das Projekt zielt erstens darauf, das Verständnis für reflexive Gegenentwürfe im Rahmen der Kommodifizierung digitaler Medien und deren Konsequenzen zu vertiefen. Zweitens soll der bislang als fortschrittsgetrieben verstandene Mediatisierungsprozess auf reflexivmoderne Wendepunkte hin betrachtet werden, an denen Mediatisierungskonsequenzen dezidiert hinterfragt und Alternativen entwickelt werden, die im Hinblick auf ihre mögliche Institutionalisierung zu rekonstruierten sind. Damit wird drittens die bereits aufgenommene Theorie- und Methodologiearbeit weitergeführt, mit der die in den drei Förderungsperioden gewonnenen Einsichten zum Prozess Reflexiver Mediatisierung integriert und ein prozessanalytisches Instrumentarium für Mediatisierungsforschung bereitgestellt werden sollen.

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1505 „Mediatisierte Welten“)
Laufzeit: 04/2015 – 03/2017

Weitere Informationen: www.mediatisiertewelten.de

2012 - 2015, Mediatisierung als Geschäftsmodell

Mediatisierung als Geschäftsmodell: Konsequenzen der Verschränkung von Angebot und Anwendung in einer digitalen Medienumgebung

Das im DFG-finanzierten Schwerpunktprogramm 1505 „Mediatisierte Welten“ verankerte Fortsetzungsprojekt zielt auf die vertiefende Differenzierung des Zusammenhangs von Mediatisierung und Kommerzialisierung. Internet-Dienste basieren zunehmend darauf, dass Konsumenten in Wertschöpfungsprozesse integriert werden. Während der Konsument in Managementforschung und Marketing als „Co-Creator“ oder „Kollaborationspartner“ beschrieben wird, der sich gezielt in Wertschöpfungsprozesse einbinden lässt, zeigt sich, dass sich digital-medial eingebundene Anwender- und anpassende Anbieterzusammenhänge in nur bedingt antizipierbarer Weise wechselseitig beeinflussen. Grundlage hierfür sind nicht-vorhersehbare Aneignungsweisen der Konsumenten bzw. Anwender, d.h. andere als vorgesehene oder modifizierende Nutzungsweisen, auf die Anbieter aufgrund ihres ökonomischen Risikos laufend reagieren müssen. Medien(Fort-)Entwicklungen und Transformationen der Kernaktivitäten heutiger sozialer Welten lassen sich also nicht auf intendierte Folgen kommerziell motivierter Medientechnisierung reduzieren, sondern müssen als Resultat einer komplexen Wechselwirkung alltäglich-aneignender und organisational-anpassender Akteursgruppen verstanden werden. Dieses Projekt zielt auf die Rekonstruktion der unterschiedlichen Strukturvarianten solcher Wechselwirkungen. Theoretischer Anknüpfungspunkt ist die im Ansatz reflexiver Modernisierung zentrale These, dass nicht-intendierte Nebenfolgen technisch-ökonomischer (und kulturell-politischer) Aktivitäten die zentralen Treiber des Modernisierungsprozesses darstellen. Insofern nicht-intendierte Nebenfolgen des Einsatzes, der Verschränkung und der Verbreitung neuer Medien ein bislang vernachlässigter Aspekt des hierin beschriebenen Gesellschaftswandels sind, wird liefert die Forschung einen Anschluss des Mediatisierungsansatzes an die Theorie reflexiver Modernisierung.

Laufzeit: 2012 - 2015
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG-Schwerpunktprogramm 1505, Mediatisierte Welten)

Weitere Informationen: www.mediatisiertewelten.de

seit 2013, Der performative Einsatz sozialer Roboter

Der performative Einsatz sozialer Roboter

Im Zentrum der Forschung  steht derzeit der Einsatz eines zoomorphen Roboters, einer  Technikentwicklung auf dem Gebiet  der Social Robotics. Weil das Gerät derzeit in Deutschland vor allem in der aktivierenden Betreuung alter Menschen mit Demenz Anwendung findet, wird im Rahmen einer Langzeit-Ethnographie untersucht, wie dieser „social assistive robot“ von (semi-)professionellen Betreuungskräften im Seniorenpflegeheim eingesetzt wird. Der Betrachtungsweise liegt die Auffassung zugrunde, dass das, was eine Technik ist, erst im Anwendungskontext herausgearbeitet wird. Ein weiterer Ausgangspunkt im Projekt ist Annahme, dass die Erscheinung des technischen Geräts und der performative Umgang damit in einem Wechselverhältnis stehen: Dafür, als was es angesehen wird, ist seine Form und sind seine technischen Funktionen relevant – dies in der Form von Wissen: den Erfahrungen anderer, die als Wissen vermittelt werden, und eigenen Erfahrungen, die situativ im sinnhaften Umgang gewonnen werden.

Laufzeit: Seit 2013
Förderung: Eigenfinanzierung

2012-2016, Studierkulturen als Kommunikationskulturen

Studierkulturen als Kommunikationskulturen in der Wissensgesellschaft

Das Projekt basiert auf einer Kooperation mit dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten House of Competence (HoC) im Bereich der Studierkulturenforschung. Während am KIT die Konsequenzen der Integration der Großforschung in die Lehre Gegenstand der Betrachtung sind, liegt der Fokus in Wien auf den kommunikationskulturellen Veränderungen, die mit der Mediatisierung des Studierens einhergehen. Zur Frage steht, ob und wie sich Handlungsorientierungen, Relevanzen, Erwartungen und Praktiken von Studierenden verändern, deren Alltag in erheblichem Maße durch digitale (mobile) Informations- und Kommunikationsmedien durchdrungen ist. So beobachten wir, dass durch das Hinzutreten (mobiler) Medientechniken Situationsverständnisse (neu-)ausgehandelt werden (z.B. geht es dabei um den legitimen Gebrauch von Smartphones in Seminarveranstaltungen und Fragen der situativ zugeschriebenen Aufmerksamkeit). Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden, die sukzessive medienvermittelt erfolgt. Wie sich zeigt, werden institutionalisierte Redeweisen, wie z.B. die Anrede von Dozenten in der E-Mail-Kommunikation, brüchig. Als verkürzt erscheint es jedoch, diesen Aspekt eines kommunikationskulturellen Wandels auf einen oftmals zitierten Verlust allgemeiner Höflichkeitsformen zurückzuführen. Vielmehr erweist er sich auch als eine Folge davon, dass mit dominanten Kommunikationsformaten und Medien im Alltag unhinterfragte Selbstverständlichkeiten des (Selbst-)Ausdrucks entstehen, die – geknüpft an bestimmte Medien – über unterschiedliche Handlungsfelder hinweg Bestand haben.

Laufzeit: 2012-2016
Förderung: BMBF

Weitere Informationen unter: www.hoc.kit.edu/4192.php

Institut für Soziologie
Universität Wien
Rooseveltplatz 2
1090 Wien

Fragen zum Studium:
T: +43-1-4277-49104
T: +43-1-4277-48204
T: +43-1-4277-49105

Allgemein:
T: +43-1-4277-49201
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0