Logo der Universität Wien

Institutsprojekt „Wege in die Zukunft“: Eine Längsschnittstudie über die Vergesellschaftung junger Menschen in Wien

Institut für Soziologie, Copyright: S. Hornyak
Copyright: S. Hornyak

Von Mitte Februar bis Ende März 2017 waren die Mitglieder der Steuerungsgruppe des Institutsprojekts, weitere Institutsmitglieder und Studierende eines Forschungslabors im Masterstudium „im Feld“. In folgenden Schulen führten sie biografisch-narrative Interviews, die um Fragen zu ausgewählten Themen ergänzt wurden, mit Schülerinnen und Schülern der 4. Klassen: NMS Gassergasse, KMS Grundsteingasse, NMSI Konstanziagasse, WMS Leipzigerplatz, WMS Loquaiplatz.

Ursprünglich waren etwa 80 Interviews geplant. Durch die freundliche Hilfe des Stadtschulrates für Wien und die großartige Unterstützung durch die Direktorinnen und Direktoren sowie die Klassenlehrerinnen und -lehrer war es nicht nur möglich, diese Zahl zu erreichen, sondern letztlich sogar zu übertreffen. Insgesamt konnten 107 Gespräche geführt werden.

Die Organisation der Interviews lag in den Händen von Barbara Mataloni in Zusammenarbeit mit Andrea Jesser, Veronika Wöhrer und André Schmidt: Sie haben eine große logistische Herausforderung bravourös bewältigt: Insgesamt nahmen 73 Personen an der Erhebung teil: 14 Mitglieder des Instituts für Soziologie, 22 Masterstudierende, von denen vier mit dem Material des Institutsprojekts ihre Masterarbeit verfassen, sowie 36 Personen aus dem Bachelorstudium und eine externe Person, die als Beobachter/innen die Interviews begleiteten – aus rechtlichen Gründen war es erforderlich, dass zusätzlich zu den Interviewer/innen eine zweite Person beim Interview anwesend war. Zugleich bekamen die Bachelorstudierenden einen intensiven Einblick in die Feldarbeit.

Im Wintersemester 2016/2017 waren die Interviews im Forschungslabor „Just another brick in the wall?“ von Andrea Jesser, Veronika Wöhrer und Jörg Flecker mit den Studierenden methodisch und inhaltlich intensiv vorbereitet worden. Eine Ringvorlesung zum Thema „Jugend im Übergang“ sowie die Paul-Lazarsfeld-Gastprofessur von Bren Neale von der University of Leeds hatten wichtiges zusätzliches Wissen ans Institut gebracht. Die Steuerungsgruppe hatte Fragestellungen und Methoden diskutiert und unterstützte das Forschungslabor mit Feedback. Darüber hinaus wurden die Vorgehensweise sowie die Erhebungsinstrumente mit zahlreichen weiteren Institutsmitgliedern diskutiert.

Mit der Durchführung und Dokumentation der Interviews ist nun das Fundament für das qualitative Panel gelegt. Lag ein inhaltlicher Schwerpunkt dabei auf der Schulkarriere und dem bevorstehenden Übergang nach der 4. Klasse NMS, so wird im kommenden Studienjahr in der zweiten Welle, die Ulrike Zartler und Susanne Vogl betreuen, eine familiensoziologische Perspektive eingenommen werden.

Mit dem Start des Sommersemesters hat die Vorbereitung der ersten Welle des quantitativen Panels begonnen. Das entsprechende Forschungslabor im Masterstudium wird von Susanne Vogl geleitet. Nach der Fragebogenentwicklung im Sommersemester 2017 und einer intensiven Pretest-Phase im Herbst wird die Datenerhebung im Jänner und Februar 2018 stattfinden.

Das Institut für Soziologie hatte im Sommer 2016 das langfristig angelegte Eigenprojekt gestartet, in dem die Vergesellschaftung Jugendlicher aus einer ganzheitlichen Perspektive analysiert wird. Die Untersuchung der komplexen Prozesse der Einbeziehung und Teilhabe junger Menschen soll Erkenntnisse über eine Gesellschaft im Umbruch erbringen. Betrachtet werden die Integration in Bildung und Arbeit, die lebensweltlichen Gruppenzugehörigkeiten und die sozialen Nahbeziehungen sowie die Formen der Anerkennung, die junge Menschen erfahren. In diesem Forschungsprojekt soll es zudem gelingen, die Perspektive der Jugendlichen einzunehmen und ihre Stimme in den öffentlichen Diskussionen, die sie unmittelbar betreffen, zu stärken.

Mit dem Institutsprojekt „Wege in die Zukunft“ verfolgt das Institut für Soziologie darüber hinaus das Ziel, das Wissen, die Erfahrungen und die methodologischen Zugänge aus seinen verschiedenen Forschungsschwerpunkten zu bündeln. So beteiligen sich ExpertInnen aus der Migrationsforschung, der Familiensoziologie, der Lebenslaufforschung, der Kultur- und Wissenssoziologie, der Genderforschung, der Arbeits- und Organisationssoziologie sowie der Stadtsoziologie und der Forschung über Sozialpolitik an dem Projekt. Qualitative und quantitative Methoden der Sozialforschung werden in dieser Längsschnittstudie kombiniert.

In Kooperation mit dem Stadtschulrat für Wien und mit Neuen Mittelschulen werden Jugendliche von der achten Schulstufe an für fünf Jahre auf ihren Lebenswegen, in ihrem Bildungsverlauf und Berufseinstieg begleitet. In dieser Zeit sollen sie einmal jährlich zu wechselnden Themen befragt werden. Dies ermöglicht neue Erkenntnisse darüber, wie die Lebenschancen junger Generationen durch schulische, familiäre, institutionelle und Arbeitsmarktbedingungen geformt werden und welche Strategien die jungen Menschen bei den entscheidenden Übergängen in dieser Lebensphase verfolgen.

Institut für Soziologie
Universität Wien

Rooseveltplatz 2
1090 Wien
T: +43-1-4277-492 01
F: +43-1-4277-8492 01
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0