Working Papers des Instituts für Soziologie


Die Working Papers-Reihe des Instituts für Soziologie bietet Wissenschafter*innen und Studierenden mit Anbindung an das Institut die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Ergebnissen ihrer wissenschaftlichen Arbeit sowie fundierten Erörterungen aktueller gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Die Working Papers-Reihe soll Sichtbarkeit für Projekte der Institutsmitglieder schaffen und dient der Anregung kritischer Diskussionen von wissenschaftlichen Befunden und soziologischen Gesellschaftsdiagnosen.

Die einem Begutachtungsverfahren unterzogenen, überarbeiteten und akzeptierten Working Papers werden online auf der Homepage des Instituts publiziert und stehen zum Download zur Verfügung.

Initiiert wurde die Working Papers-Reihe von Nachwuchswissenschafter*innen des Instituts im Rahmen des Projekts "Rising Scholars".

Weitere Informationen:

 Veröffentlichungen

2019

IfS Working Paper 01/2019

Elective Co-Parenting: Entscheidungsprozesse zu gewählter Co-Elternschaft

Ines Jogl

Diese Schrift ist im Zuge meiner Masterarbeit entstanden und beschäftigt sich mit der privaten Lebensform der gewählten Co-Elternschaft. Bei der gewählten Co-Elternschaft handelt es sich um zwei oder mehrere Personen, die sich, ungeachtet ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung, zusammenfinden, um gemeinsam ein Kind beziehungsweise Kinder zu bekommen und zu erziehen, jedoch ohne eine romantische oder sexuelle Beziehung miteinander einzugehen oder zwingend in einem gemeinsamen Haushalt zu leben.
Die Daten wurden mittels acht episodischer Interviews erhoben. Sechs Interviews wurden mit der Feinstrukturanalyse ausgewertet und acht Interviews mit der Themenanalyse nach Froschauer und Lueger. Die Ergebnisse wurden mit der Individualisierungs- und Pluralisierungsthese von Ulrich Beck sowie dem RREEMM Modell von Lindenberg in Beziehung gesetzt.
Die zentralen Ergebnisse beziehen sich auf den Entscheidungsprozess für die gewählte Co-Elternschaft sowie auf die strukturierenden Rahmenbedingungen und den Einfluss von Normvorstellungen. Weibliche Personen, die sich für die gewählte Co-Elternschaft entscheiden, wählen diese zumeist aufgrund der gewünschten Beteiligung des biologischen Vaters, wobei das Ausmaß der Partizipation in den meisten Fällen keine Rolle spielt. Männliche homosexuelle Personen hingegen sehen die Co-Elternschaft als einzigen Weg, ein leibliches Kind mit einer väterlichen Beteiligung zu bekommen. Idealvorstellungen von Familie, wie beispielsweise der Vorteil eines männlichen Elternteiles innerhalb einer Familie, haben ebenfalls Einfluss auf die gewählte Co-Elternschaft.


2018

IfS Working Paper 02/2018

Die Akzentuierung des Unscheinbaren: Zur Stofflichkeit der sozialen Welt am Beispiel ‚Zero Waste‘

Raphaela Casata

DOI: 10.25365/phaidra.57

Mit dem ‚material turn’ wurde das Ende einer jahrelangen ‚Sachblindheit’ und ‚Dingvergessenheit’ der Soziologie eingeleitet. Zwar erfahren seither insbesondere von Menschen gefertigte Artefakte eine verstärkte Zuwendung, diese bleibt allerdings oftmals an der Oberfläche. Die Stofflichkeit von Dingen und Stoffe als eigene Einheiten finden kaum Beachtung, wenngleich sich dies als ertragreich für das Verstehen sozialer Phänomene herausstellen kann. Einige wenige Stofflichkeit berücksichtigende Arbeiten zeigen, wann und wie sich die zumeist unscheinbare Komponente materialer Kultur bemerkbar macht und als sozial bzw. soziologisch relevant erscheint. Neue Einblicke in sozial-materiale Welten verspricht auch das Konzept der ‚Stoffgeschichten’; dessen zeitund kontextsensible Perspektive fokussiert die Wechselbeziehung zwischen Stoffen, Individuen und Gesellschaft. Am Beispiel ‚Zero Waste‘ lässt sich zeigen, wie Stoffe und Stoffgeschichten nicht nur Eingang in empirische und theoretische Auseinandersetzungen finden, sondern als zentrale Bezugspunkte eines Weltdeutungsschemas und einer Gemeinschaft aus ihrem Schattendasein treten.

IfS Working Paper 01/2018

The Social Construction of Gender and Lifestyles - Theoretical Concept for Gender and Social Inequality

Susanne Vogl, Nina Baur

DOI: 10.25365/phaidra.46

This article offers a conceptual framework for researching the interrelation of gender constructsand lifestyles and suggests categories for empirical research. We argue that genderpractices and lifestyles are intertwined, vary according to social milieu, and are negotiatedon a relationship level. Thus, researchers have to consider behaviour and ascribed meaningto explain underlying reasons for certain behaviours. On the individual level, normativeorientations, values, and gender images influence semantics. Regarding pragmatics, theconcrete task share among partners on a household level is central. Thus, gender practicesare specific to social milieus and spheres of life. We argue that employment, care, andleisure time activities as well as consumption are important constructions for understandinggendered lifestyles. Our framework offers categories for better grasping differences ofgender constructions, doing and undoing gender through lifestyles in social milieus simultaneouslyand systematically.


2017

IfS Working Paper 05/2017

Die Vergesellschaftung Jugendlicher im Längsschnitt. Teil 2: Forschungsdesign und methodische Überlegungen einer Untersuchung in Wien

Jörg Flecker, Andrea Jesser, Barbara Mataloni, Maria Pohn-Lauggas, Christoph Reinprecht, Maria Schlechter, Andre Schmidt, Susanne Vogl, Veronika Wöhrer, Ulrike Zartler

Das Projekt "Wege in die Zukunft" am Institut für Soziologie der Universität Wien hat zum Ziel, zu verstehen wie Lebenswege und Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen geprägt und geformt werden und wie sie sich nach der Pflichtschulzeit verändern. Der Fokus liegt nicht nur auf den Lebensumständen in Relation zur sozialen Herkunft, Bildung und Arbeitsmarktchancen, sondern auch auf Vorstellungen junger Menschen in Wien von ihrer Zukunft, wie sie sie sich wünschen, erträumen oder befürchten - und wie sich diese Vorstellungen verändern. "Wege in die Zukunft" basiert auf einem Mixed Methods-Längsschnittdesign, in dessen Rahmen einmal jährlich qualitative Interviews und Onlinebefragungen über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt werden. In der ersten Interviewwelle sind die Befragten etwa 14/15 Jahre alt und im letzten Jahr der "Neuen Mittelschule". Wir begleiten diese Jugendlichen ein Stück auf ihrem weiteren Weg. Unsere Befragten besuchten in der ersten Welle alle eine "Neue Mittelschule" in Wien. Basierend auf einer explorativen Phase im Frühjahr 2016 fand die erste Welle des qualitativen Strangs im Frühjahr 2017 mit 107 Jugendlichen statt. Die Interviews bestanden aus einem narrativen Teil, einem leitfadengestützten Teil und einem kurzen Sozialstatistikfragebogen. Die erste Welle der Onlinebefragungen wird Anfang 2018 durchgeführt. Dafür wurden die Fragebögen in zwei Phasen kognitiver Pretests und einem Standardpretest sehr sorgfältig verbessert. Für die erste Welle werden alle 117 "Neuen Mittelschulen" mit rund 7.000 SchülerInnen in Wien kontaktiert. Mit einer hohen Ausgangszahl in beiden Strängen sind wir zuversichtlich, auch über den Zeitraum von fünf Jahren eine ausreichend hohe TeilnehmerInnenzahl zu erreichen.


2016

IfS Working Paper 01/2016

Bildung im Dritten Lebensalter. Potentiale und Zugangsbarrieren der Bildung in der nachberuflichen Phase

Anna Wanka und Vera Gallistl

In unserer heutigen Gesellschaft sind soziale Rollen älterer Menschen freier gestaltbar geworden - die ehemals als „Ruhestand“ bezeichnete Zeit der Pension stellt zunehmend eine Zeit flexibler Freizeitgestaltung und Selbstverwirklichung dar. In dieser neuen „Lebensphase Alter“ nimmt Bildung eine wichtige Rolle ein. Doch ist Bildung nach dem Erwerbsleben ebenso selektiv wie in jüngeren Jahren? Selektionsprozesse der nachberuflichen Bildung und ihr Einfluss auf die Lebenschancen im Alter werden noch selten von der Bildungsforschung thematisiert. Der vorliegende Artikel fragt nach der Strukturierung ungleicher Zugangschancen und Barrieren zu Bildung im Alter. Empirische Erkenntnisse für Österreich basieren auf der fünften Welle des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE 2013). Sie zeigen eine geringere Bildungsbeteiligung im (höheren) Alter, die allerdings weniger vom biologischen Alter an sich, sondern stärker vom Bildungshintergrund und dem subjektivem Gesundheitszustand älterer Menschen beeinflusst wird. Ältere Menschen nehmen nicht durch altersbedingte Abbauprozesse weniger häufig an Bildung teil, sondern leben in sozialen Umwelten, die weniger förderlich auf (formale und non-formale) Bildungstätigkeit im herkömmlichen Sinne wirken. Dagegen spielen andere, informellere Bildungsformen im Alter eine wichtigere Rolle. Besonderes Potential zur Förderung von Bildungsaktivität im Alter zeigt der Übergang in die nachberufliche Phase als „window of opportunity“ in Kombination mit praxisorientierten Lernformen.