Der Klimawandel manifestiert sich nicht nur global, sondern prägt auch lokale Lebensrealitäten auf spezifische Weise. Das Forschungsprojekt "Klimakrise im Alltag" fokussiert auf das Beispiel des Neusiedler Sees im Burgenland, Österreich. Das Projekt untersucht, wie verschiedene lokale Akteur*innen die fortschreitende Austrocknung des Sees interpretieren und in ihren jeweiligen Wirkungsfeldern verhandeln. Die Analyse basiert auf leitfadengestützten Interviews sowie einer Auswertung von Dokumenten, darunter Medienberichte und Fachdebatten. Die Studie zeigt, dass die Bevölkerung die Klimaveränderungen unmittelbar im Alltag wahrnimmt. Sorge, Anpassungsstrategien und erfahrungsbasiertes Alltagswissen machen dies sichtbar. Zugleich offenbaren sich Interessenkonflikte zwischen den Zielsetzungen der unterschiedlichen Akteur*innen (Naturschutz, Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft). Das gemeinsame Ziel des Seeschutzes verbindet sie jedoch. Einseitige, teils panische Medienberichterstattung und fehlende Kontextualisierung werden kritisch gesehen, ebenso wie unzureichende, kurzfristige Maßnahmen der Politik. Die Region zeigt Anpassungsbereitschaft durch nachhaltige Tourismuskonzepte, alternative Landwirtschaft und lokale Initiativen. Der langfristige Erfolg hängt von stärkerer Vernetzung und Zusammenarbeit aller Ebenen ab.
Im Vortrag werden die Studie und ihre zentralen Ergebnisse diskutiert. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten.
Das Forschungskolloquium
Jedes Semester stellen Wissenschafter*innen des Instituts ihre Projekte und Forschungsthemen in einer Präsenzveranstaltung vor.
