Herzlich willkommen, Anna Wanka (Professorin für Allgemeine Soziologie)!

Wir freuen uns sehr, Anna Wanka ab September 2026 als neue Professorin für Allgemeine Soziologie an unserem Institut begrüßen zu dürfen.

Anna Wanka hat an der Universität Wien Soziologie und Rechtswissenschaften studiert (2006 – 2011) und in Soziologie zum Thema „Rückzug aus dem öffentlichen Raum“ promoviert (2016). In diesem Zeitraum hat sie zuerst als Studienassistentin und später als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Wien gearbeitet (2008 – 2016) und war Scholarin im Graduiertenkolleg „Soziologie Sozialer Praktiken“ am Institut für Höhere Studien (2012 - 2016). Nach ihrer Promotion wechselte Anna Wanka an die Goethe Universität in Frankfurt am Main, wo sie als Postdoktorandin im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Doing Transitions“ zu Übergängen im Lebenslauf forschte. Nach Stationen an der Universität Stuttgart und als Vertretungsprofessorin für Politische Soziologie Sozialer Ungleichheit an der LMU München leitete sie in Frankfurt eine Emmy Noether Nachwuchsgruppe zu „Linking Ages – Alterskonstruktionen über den Lebenslauf“ (2022 – 2026). Ab 01.09.2026 ist Anna Wanka Professorin für Allgemeine Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien.

Forschung

Ihre Forschung beschäftigt sich dabei mit Fragen um intersektionalen Ungleichheiten und dabei insbesondere Alterskonstruktionen: Wann sollte man wählen, das Studium abschließen, von zuhause ausziehen, Social Media nutzen, Eltern werden, in Pension gehen – oder sterben? Es geht dabei um sogenannte „Chrononormen“ – gesellschaftliche Erwartungen an den „richtigen“ Zeitpunkt im Lebenslauf -, wie diese für verschiedene Personengruppen unterschiedlich gelten (z.B. für queere Menschen) und was passiert, wenn wir von diesen Normen abweichen. Anna Wanka untersucht, wie Chrononormen in der Praxis hergestellt, stabilisiert oder auch herausgefordert und transformiert werden. Besonders deutlich wird dies in Übergangsphasen als besonders vulnerable Momente für die (Re-) Produktion intersektionaler Ungleichheiten. Dazu arbeitet sie an einem Spezialforschungsgruppenantrag, der sich mit der Herstellung milieuspezifische Differenzen und Ungleichheiten in unterschiedlichen Lebensphasen (z.B. Kindheit und höherem Lebensalter) und Übergängen zwischen diesen beschäftigt.

Aktuell forscht Anna Wanka intensiv zur Lebenssituation junger Erwachsener, die Pflegeverantwortung für Eltern oder Großeltern übernehmen. Dieser „alters-untypische“ Übergang bricht mit Vorstellungen vom Studierendenleben als Phase der Freiheit und Selbsterkenntnis – und verstößt damit gegen Chrononormen des jungen Erwachsenenalters. Mit diesen jungen Erwachsenen führt sie kreative Workshops durch, erprobt neue Methoden und Sichtweisen auf das Thema Care, Ungleichheit und Chronormen, und möchte dabei perspektivisch auch Studierende der Universität Wien einbinden (z.B. über Forschungspraktika). In Zukunft will sie sich weiter mit Chronormen und queerem Altern beschäftigen und dazu eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit verschiedenen Forschenden der Fakultät und interessierten Studierenden zusammenbringen.

An ihre Forschungsthemen nähert Anna Wanka sich multi-methodisch an und kombiniert quantitative und qualitative Methoden reflexiv, also anerkennend, dass Forschungsmethoden ihre Gegenstände mit hervorbringen. Zu „Reflexiven Mixed Methods“ schreibt sie auch gerade ein Lehrbuch, das sie gerne in der Lehre in Wien einsetzen möchte. Darüber hinaus forscht sie am liebsten nicht über, sondern gemeinsam mit den Menschen, die es betrifft – also partizipativ und arbeitet hier an einem Marie Sklodowska-Curie Doctoral Network zu partizipativen Methoden über den Lebenslauf.


10 schnelle Fragen und Antworten:   


1. Kaffee oder Tee?

Kaffee

2. Lerche oder Eule?

Eule

3. Schnitzel oder Kaiserschmarrn?

Sachertorte

4. Podcast oder Playlist?

Playlist beim Arbeiten, Podcast beim Laufen

5. Ihr Lieblingsort in Wien?

Der Prater (ist auch als Tattoo auf meinem Handgelenk verewigt)

6. Welches Buch liegt auf Ihrem „Dringend-Lesen-Stapel“?

Zu viele, aber ganz oben und werden daher gerade gelesen:

(1) Cornelia Schadlers „New Materialist Ethnography“ (2026),

(2) Kathleen Riachs „Working through Ageing“ (2025)

und (3) Barbara Staubers „Wie Differenzen gemacht werden“ (2026)

7. Woran arbeiten Sie aktuell?

An zu vielen Baustellen!

Unter anderem arbeite ich…:

- an der Erforschung der Situation von pflegenden Studierenden, also Personen, die neben dem Studium eine ältere Person pflegen oder unterstützen

- an einem Projektantrag für ein Marie Sklodowska-Curie Doctoral Network zu partizipativen Methoden über den Lebenslauf

- an einem Special Issue zu Prozess- und Praxistheorien

- an der Vorbereitung der BA2-VO „Einführung in die Soziologie“ :-)

- an der Einrichtung meiner neuen Wohnung in Wien

- an der Abschaffung des Patriarchats (dauert noch ein bissl)

8. Wer hat Sie wissenschaftlich besonders geprägt?

Zu viele Menschen, um sie namentlich zu nennen, aber besonders:

- Praxistheoretische Mentor:innen wie Elizabeth Shove, Ted Schatzki, Kathleen Riach oder Barbara Marshall oder Stephen Katz

- Weggefährtinnen und „Critical Friends“, z.B. aus dem Nachwuchs-Netzwerk „Materielle Gerontologie“ und „Doing Transitions“

- Promovierende und Studierende aus meiner Arbeitsgruppe „Linking Ages“

- Durch ihre schönen, augenöffnenden Texte Karen Barad, Rosi Braidotti, Anna Tsing, Andreas Reckwitz, Elizabeth St. Pierre, und viele andere

9. Was fasziniert Sie an der Soziologie?

Soziologie ist einfach ein “gift that keeps on giving“ – es entwickeln sich immer neue Themen, Debatten und Diskurse, Ansätze und Methoden, und auch mit den Soziolog:innen wird es nie langweilig :-)

10. Worauf freuen Sie sich in Bezug auf Ihre neue Rolle am Institut für Soziologie am meisten?

Ich freue mich am meisten auf die Studierenden! Aber auch sehr auf die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen an der Fakultät, darauf, mir ein neues Team zusammenstellen zu können und darauf, mein Forschungsprofil mit der Denomination „Allgemeine Soziologie“ noch einmal stärker theoretisch, methodologisch und thematisch verbreitern zu dürfen.