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Hohe Auszeichnung für zwei Mitglieder des Instituts für Soziologie

Anton Amann und Franz Kolland erhalten Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. i. R. A. Amann. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. i. R. A. Amann. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. i. R. A. Amann. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. i. R. A. Amann. Foto: A. Wanka

Anton Amann, emeritierter Universitäts-Professor am Institut für Soziologie der Universität Wien, wird für seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen auf den Gebieten der Altenpolitik, der Pflege und Betreuung, der sozialgerontologischen Anwendungsforschung sowie der Methodenentwicklung in der Lebensqualitätsforschung bei Heimbewohner/innen mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst geehrt.

Anton Amann promovierte 1975 an der Universität Wien summa cum laude und habilitierte sich ebendort mit der Venia „Soziologie und Sozialgerontologie“ 1981. Ein Jahr später erhielt er die gleichnamige Professur. Die aus der Habilitation hervorgegangene Publikation „Lebenslage und Sozialarbeit“ gilt heute als ein Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte des Otto Neurathschen Lebenslagenkonzepts.

Anton Amann vollzog entscheidende Schritte in der Etablierung der Angewandten Sozialgerontologie in Österreich, die ihm auch internationalen Ruf eintrugen, der zu dauerhaften Forschungskooperationen in Deutschland und England führte: Gründung des „Zentrum für Alternswissenschaften und Sozialpolitikforschung“ in Krems/St. Pölten, Projekte zur Befragbarkeit demenziell veränderter Heimbewohner/innen, Pflegebedarfsprognosen und Maßnahmenevaluierung in der Altenpolitik sind einige der Hauptaktivitäten. Soziologie ohne empirische Sozialforschung ist für ihn als Wissenschaft nicht denkbar. Schon 1985 gründete er das erste und bisher einzige Datenarchiv für Sozialwissenschaften in Österreich (WISDOM) als Mitglied des „Council of European Social Science Data Archives“, 1983 wurde das auf seine Initiative und mit tatkräftiger und unverzichtbarer Hilfe durch Paul Neurath errichtete „Paul-Lazarsfeld-Archiv“ eröffnet, dessen Direktor er seit 2001 ist.

Dass Forschung in die Lehre einfließen muss, ist für Anton Amann ein wesentliches Moment von Wissenschaft und Ausbildung. So schrieb er ein Lehrbuch der Soziologie, das vier Auflagen erlebte, und führte zahlreiche junge Menschen über Forschungsprojekte in den von ihm gegründeten Instituten erfolgreich in die Praxis der Sozialforschung. Er unterrichtete zehn Jahre lang an der „Bundesakademie für Sozialarbeit“ in Wien, nahm Lehraufträge und Gastprofessuren in Zürich, Dortmund, Klagenfurt, an der Wirtschaftsuniversität und der Technischen Universität in Wien wahr. Er betreute im Laufe seiner Tätigkeit über einhundertfünfzig Diplomarbeiten und Dissertationen. 1981-1987 war er Präsident der Europäischen Sektion (Verhaltens- und Sozialwissenschaften) der Internationalen Gesellschaft für Gerontologie; bis 2007 Leiter der Sektion „Gerontologie“ der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, Kommissionsmitglied und Autor für den Ersten Altenbericht der Deutschen Bundesregierung (1993), Mitglied der Österreichischen UNESCO Kommission, Experte für die United Nations Economic Commission of Europe etc.

Über 250 Veröffentlichungen (Bücher und Aufsätze) zeugen von seiner Freude an der wissenschaftlichen Arbeit ebenso wie eine große Zahl von Vorträgen im Laufe der Jahre. Was ihn am deutlichsten zu kennzeichnen vermag, ist seine dauernd die Grenzen der eigenen Wissenschaft überschreitende Bemühung um transdisziplinäre Erkenntnis.

Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. F. Kolland. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. F. Kolland. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. F. Kolland. Foto: A. Wanka
Ehrenkreuzverleihung Juli 2016: Sozialminister A. Stöger mit Prof. F. Kolland. Foto: A. Wanka

Ebenso wird für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Alterskultur, zum Bildungsverhalten im Lebenslauf und zur Versorgung betreuungsbedürftiger alter Menschen Franz Kolland, Professor für Soziologie der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst geehrt.

Franz Kolland promovierte 1985 an der Universität Wien und habilitierte sich ebendort 1995 mit der Venia „Soziologie“. Die umfangreiche Liste seiner Veröffentlichungen belegt ein beeindruckendes Oeuvre. Insbesondere seine Bücher „Kulturstile älterer Menschen“ und „Bildung im Ruhestand“ wurden zu vielbeachteten Werken in der Fachwelt und haben die Kulturgerontologie und Geragogik wesentlich beeinflusst.

In seinen Arbeiten zeigt Kolland eine bemerkenswerte breite Fächerung. Er bewegt sich auf verschiedenen Feldern der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften. Zu seinen Themen gehören neben der Sozialgerontologie auch entwicklungssoziologische Studien und Bildungsforschung. Über die Verknüpfung von Grundlagen- und angewandter Forschung hat sich Kolland international einen Namen gemacht und damit nicht nur die Sozialgerontologie bereichert, sondern auch die Alterssoziologie und Lebenslaufforschung stimuliert. Franz Kolland gelingt es in ganz besonderer Weise, seine Forschungsergebnisse zum Lernen im Alter und zu kulturellen Lebensstilen in der Zweiten Lebenshälfte, die von größter gesellschaftlicher Bedeutung sind, einem breiten Publikum nahezubringen. Diese öffentlichkeitswirksame Darstellung beschränkt sich nicht allein auf schriftliche Informationsvermittlung, sondern kommt auch immer wieder in seinen lebendigen und engagierten Vorträgen zum Ausdruck. Geprägt und getragen ist dieses wissenschaftliche Engagement von der Intention einer Sichtbarmachung, Neubestimmung und Verortung der Lebensphase Alter und des älteren Menschen in der (nicht nur) österreichischen Gesellschaft. Wissenschaft hat nach seinem Verständnis nicht nur die theoriefokussierte Aufgabe der Beschreibung und Analyse gesellschaftlicher Strukturen und Dynamik, sondern auch die praxisbezogene Aufgabe der Mitgestaltung sozialer Veränderungen.

Franz Kolland gehört zu den Wegbereitern der wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Hinwendung zu Fragen der Bildung im Alter: Über erste Forschungsarbeiten in den1980er Jahren zur Vorbereitung auf das Alter, danach Seniorenstudium, Intergenerationelles Lernen, Community Education und ab 2000 zu Bildungsbedürfnissen, Lernformaten, Alternsbildung im ländlichen Raum und Bildungsberatung leistete er nicht nur bleibende Beiträge zur wissenschaftlichen Begründung der Geragogik, sondern beeinflusste auch nachhaltig die Lehre und Praxis. Dazu gehört beispielsweise die maßgebliche Mitwirkung bei der Implementierung des Masterstudiengangs Geragogik an der KPH Wien/Krems.

Besondere Verdienste hat sich Franz Kolland um die Sozialgerontologie an der Universität Wien erworben: Zuerst in der Leitung des Ludwig Boltzmann Instituts für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung zwischen 2000 und 2005, danach in der Etablierung des Forschungsschwerpunktes „Alter, Generationen, Familie“ an der Fakultät für Sozialwissenschaften und schließlich in der erfolgreichen Einrichtung des postgradualen Studiengangs „Gerontologie und soziale Innovation“ an der Universität Wien.

Die nunmehrige Ehrung unserer beiden Kollegen mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ist folgerichtiger Ausdruck der hochverdienten Anerkennung ihres – bisherigen – Schaffens, zu der das Institut für Soziologie nicht ohne Stolz herzlich gratuliert.

Josef Hörl und Gerhard Majce im Namen des Instituts für Soziologie.
Die Verleihung fand am 01.07.2016 statt.

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